Captain Fantastic

USA 2016; 118 min; OV;
Regie: Matt Ross;

Was zunächst wie ein weiterer generischer Superheldenfilm klingt, ist in Wirklichkeit geradezu das direkte Gegenstück zur selbstironisch-aufdringlichen Marvel-Welle, die zur Zeit über unsere Kinos niederbricht: Viggo Mortensen und seine Kinder begeben sich um dessen Frau in einem Raststättenklo runterzuspülen auf fremdes Terrain – die Konsumgesellschaft! Dieser hat die Familie nämlich schon vor langer Zeit abgeschworen und führt ein gänzlich autarkes Leben in den tiefen Wäldern des pazifischen Nordwestens, wo die Kinder (sechs an der Zahl) von ihrem Vater nicht nur Überlebenskünste wie Angeln und Jagen, sondern auch Literatur und Quantenphysik gelehrt werden. Konfrontiert mit der vor Frittenfett triefenden Außenwelt voller videospielvernebelter Vorstadtkleingeister ist ein Kulturschock -für beide Seiten- also unvermeidbar. Ein sympathisch-exzentrischer Streifen, der – obwohl er insgesamt ein wenig an inkonsequenter Kompromissbereitschaft erkrankt relativiert, was er guten Gewissens als Overstatement hätte stehen lassen können – vermutlich jedem den verlockenden Gedanken vom Leben in der Wildnis in den Kopf pflanzen wird.

Wir meinen: Aragorn und eine handvoll kleiner Menschen verlassen ihr Heimatidyll mit dem Ziel einen wertvollen Gegenstand an einem bestimmten Ort zu entsorgen um den vorherrschenden Gesellschaftsstrukturen gegenzuwirken, werden dabei jedoch von intelektuell unterlegenen, jedoch wesentlich massigeren Widersachern gehindert. Das kommt einem doch irgendwoher bekannt vor...?

Captain Fantastic in der IMDB

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