Die Cineasten haben sich jetzt abgemeldet aus dem Hochschulbetrieb: "Wir sind bei den Internationalen Filmfestspielen in Locarno", verrät die sympatische weibliche Stimme auf dem Anrufbeantworter des AFK-Filmstudios an der Universität Karlsruhe. "Fünf bis sechs Filme schauen wir dort jeden Tag an", erzählt Cristina Marx vor der Abreise begeistert. Ihre Kinoleidenschaften eint die zehn Aktiven im AFK, wie sich der Filmklub kurz nennt. Cristina Marx ist eine von ihnen. Sie ist schon immer gerne in Lichtspieltheater gegangen und auf der Suche nach einem Kreis Gleichgesinnter ist sie zu Beginn des Studiums auf Filmstudie gestoßen. Mittlerweile sehe Filme mit ganz anderen Augen, achte nicht mehr alleine auf den Inhalt, sondern auch auf die Form, Kameraeinstellungen und Filmschnitt.

Genau hier sieht der AFK auch seine Aufgabe. Über das Angebot der kommerziellen Kinos hinaus wollen die zehn Aktiven ihren Kommilitonen Filme in ihrem filmgeschichtlichen, gesellschaftspolitischen und gestaltungsformalen Zusammenhang präsentieren. So formulierten es die Vorgänger der engagierten Gruppe schon vor beinahe 30 Jahren. Dieses Anliegen ist geblieben, wenngleich der Verein einige Veränderungen erlebte. Vor beinahe 40 Jahren schon schlossen sich filmbegeisterte Studiosi zu einem Filmkreis zusammen, damals ein Arbeitskreis des AStA. Mit einem tragbaren 16mm-Vorführgerät reisten sie von Hörsaal zu Hörsaal, um ihre cineastischen Kostbarkeiten den Studienkollegen näherzubringen, bis der Verein endlich ein Dach über den Kopf bekam. Zwei Räume im 1961 erbauten Mathematikhörsaalgebäude wurden ihnen überlassen für Archiv, Büro und Bibliothek, den Vorführraum richtete man im oberen Hörsaal ein.

VorführraumHier findet sich noch heute der AFK. Die Zimmer sind mit Filmplakaten kunterbunt betückt und übersichtliche Ordnung herrscht in den Regalen, wo sich die Kinoliteratur mittlerweile stapelt und für jeden zugänglich ist. Der Schneidetisch ist abgedeckt, der Tonraum fest verschlossen. Selten noch drehen die Leute vom AFK eigene Filme, wie damals ihre Vorgänger, die den Semesteralltag in Form von Wochenschauen dokumentierten. Später drehten die Studenten noch hie und da heitere Unterhaltungsfilmchen. Der AFK hat sich mittlerweile ganz auf das Vorführen von Filmen verlegt. Während des Semesters an zwei Tagen in der Woche verwandelt sich dann der nüchterne Lehrsaal der Mathematiker in ein veritables Filmtheater. Da heißt es für die AFKler tüchtig anpacken: Einer verkauft Karten, zwei bereiten die Leinwand und die Tonanlage vor, andere kümmern sich um die Filmrollen, die während der Vorführung zwischen den zwei 35mm-Projektoren ausgewechselt werden müssen. Eine schweißtreibende Arbeit, wie Cristina Marx aus eigener Erfahrung hinter dem Projektor weiß.

Die kostspieligen Geräte sind das Kapital der zehn Aktiven. Hier heißt es technisches Feingefühl zu beweisen, und glücklicherweise findet sich ein filmbegeisterter Elektrotechniker in ihren Reihen. Mit ihrer Ausrüstung zeigen sich die Mitglieder des Vereins zufrieden. Ihre Vorführungen, so bestätigt Cristina Marx, stehen einer Kinoaufführung in nichts mehr nach, wie es vielleicht früher noch der Fall gewesen sei. Einen Teil des neuen Ausrüstung verdankt das Filmstudio denn auch dem kulturellen Förderverein des Studentischen Kulturzentrums.

Ansonsten kommen die Kinofreunde unter den Studenten finanziell alleine über die Runden, die Eintrittspreise betrachten sie als Unkostenbeitrag für die Leihgebühr, die sie die Filmrollen kosten. Im Durchschnitt 100 Kommilitonen bevölkern dann die steilansteigenden Hörsaalbänke. Wobei es im Wintersemester einfacher sei, die Mitstudenten für einen Film begeistern, ist die Erfahrung von Cristina Marx. Kein buntgemischtes Programm - wie in den Anfangsjahren - bieten die AFK-Leute dabei an. Seit Ende der sechziger Jahre ziehen sie Filmreihen vor, die sich über das ganze Semester erstrecken. Sie sind mal thematisch orientiert, mal richtet sich das Augenmerk auf die Filmtechnik, wie vor kurzem auf das Auge des Kameramannes. Spektakulär war im vergangenen Wintersemester die Folge über "Nationalsozialistische Ideologie im Film", die in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften von zahlreichen Vorträgen und Diskussionen begleitet werden.

Heiß diskutiert werden die Themen für die Semesterreihe im Kreise der Filmfreunde und einige Vorlaufzeit ist nötig, um das Programm mit den Verleihfirmen abzustimmen. Für das bevorstehende Wintersemester hat man sich deshalb schon einigen müssen. Um "Zensur im Film" wird es gehen. Aber bis zur ersten Vorstellung im Oktober bleibt noch Zeit. Vorerst befinde sich die Leute vom AFK nämlich in Locarno.

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